Der Rassismus der Aufklärung.

Die Epoche der Vernunft wirft ihren Schatten.

Das 17. Und 18. Jahrhundert brachte sowohl einen beachtlichen wissenschaftlichen Fortschritt als auch eine Hinwendung zum Prinzip der Vernunft. Den mittelalterlichen Glaubenssätzen wurden nun wissenschaftliche Methodik und das Ideal der Erziehbarkeit entgegengehalten. Dieser fortschrittsoptimistische Ausblick auf die Welt kreierte dabei eine Gegenüberstellung zwischen Vernunft und Gefühl. Der wissenschaftliche Aufbruch bedeutete dabei, so die Annahme, eine stetige Vervollkommnung des Menschen. Hierbei verbreitete sich erstmals der Gedanke der Temporalisierung. Man nahm an, dass die menschliche Entwicklung auch gesellschaftlich verschiedene Stadien durchlaufen müsse, um sich zu ‚zivilisieren‘. Nach eigener Einschätzung galt man selbst dabei als schon zivilisiert, die anderen waren es jedoch noch nicht. Ein wiederkehrender, europäischer Gedanke war dabei das Bild des Kannibal*innen. Dieses Gegenbild stellte den Kontrast zur angenommenen europäischen Vernunft dar.

Aber auch die Romantisierung des Gegenübers hin zum Naturvolk war eine spezifisch europäische Idee. Das Leben im Einklang mit der Natur wurde dabei zwar überhöht, die Menschen jedoch weiter als unzivilisiert und unkultiviert dargestellt; diese waren nun die „edlen Wilden“. Beiden Bildern des Kannibalen und das „edlen Wilden“ charakterisiert dabei das Noch-nicht, also die Positionierung auf einer angedachten Entwicklungsstufe vor der europäischen Zivilisation. Dieses Weltbild erlaubte es Europäer*innen, die Welt zu „erobern“ und die Maafa voranzutreiben.

Psychologisch war es dabei möglich, sich als fortschrittliche*r und vor allem zivilisierte*r Europäer*in zu betrachten und dabei Einwohner*innen zu vertreiben, umzubringen und mit Menschen als Sklav*innen zu handeln.

Dieser neuzeitliche Rassismus setzt die zivilisierten Europäer*innen in den Mittelpunkt und nutzt als Kriterium den vermeintlichen kulturellen Fortschritt. Das Ideal der Erziehbarkeit ermöglicht hierbei zumindest theoretisch einen sozialen Aufstieg.

Zusammenfassung

✓ Die Aufklärung beruht auf der Idee der Temporalisierung: Nicht nur Menschen, auch Gesellschaften können sich hin zur Vernunft entwickeln.
✓ Gesellschaften werden anhand ihrer angenommen Kultiviertheit kategorisiert.
✓ Während die eigene Gesellschaft vom Fortschritt geprägt ist, werden "fremde Gesellschaften" als unzivilisiert und primitiv wahrgenommen.
✓ Sowohl die imaginierten Bilder der Kannibal*innen und der freien Wilden sind Versatzstücke, die das Gegenüber als unvernünftig und gefühlsbeladen charakterisieren.

Weiterführende Literatur:

Maafa - Die rassistische Legitimierung des atlantischen Dreieckshandels. Empfehlung
Christian Geulen (2014): Geschichte des Rassismus. Ein wichtiges Buch!