Deutscher Kolonialismus.

Im Aufbruch zum "Platz an der Sonne".

Im Zuge des späten europäischen Imperialismus des 19. und 20. Jahrhunderts positionierte sich auch Deutschland: Im „Wettstreit“ der europäischen Kolonialisten wurde die Forderung nach „unsere[m] Platz an der Sonne“ lauter. Gemeint war hiermit die Erlangung von Kolonien. Deutschland wollte am Kampf um Absatzmärkte, um Rohstoffe, Stützpunkte für Handel und für die Flotte teilnehmen.[1]

1884 wurde so u.a. das deutsche "Schutzgebiet" Deutsch-Südwestafrika, das heutige Namibia, offiziell errichtet und zur Kolonie ausgebaut. Bis 1914 kamen rund 15.000 weiße Siedler*innen nach Deutsch-Südwestafrika, darunter mehr als 12.000 Deutsche. Die deutsche Kolonialverwaltung regierte das Gebiet mithilfe von Rassentrennung und Unterdrückung. Die Einheimischen wurden von den europäischen Siedler*innen praktisch entrechtet: Einheimische Menschen wurden gezwungen, ihr Land zu räumen und lebenswichtiges Weideland ging so immer mehr in die Hände der Siedler*innen über. Das bedrohte vor allem die Lebensgrundlage des halbnomadische Hirt*innen der Herero.[2]

Der durch Existenzängste geschürte Widerstand begann im Januar 1904 mit dem Angriff auf deutsche Einrichtungen und Farmen. Der Widerstand der Herero wurde bis zum August 1904 niedergeworfen. Der größte Teil der Herero floh daraufhin in eine wasserlose Wüste. Die Deutschen ließen diese nun abriegeln und die Menschen von den wenigen dort existenten Wasserstellen verjagen, so dass Tausende Herero mitsamt ihren Familien verdursteten.

Der deutsche Offizier Lothar von Trotha ließ ihnen im sogenannten Vernichtungsbefehl mitteilen: „Die Herero sind nicht mehr Deutsche Untertanen. […] Innerhalb der Deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber und keine Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volke zurück oder lasse auch auf sie schießen […] Der große General des mächtigen Deutschen Kaisers“ Die Kriegsführung Trothas zielte auf die vollständige Vernichtung der Herero ab („Ich glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muß“); dieses Vorgehen gilt somit als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts.

Für eine Einordnung der deutschen Kolonisationsgeschichte sei angemerkt: Deutschland war um das Jahr 1900 herum die drittgrößte europäische Kolonialmacht. Das Kolonialgebiet umfasste dabei eine Fläche sechsmal so groß wie das damalige Kaiserreich.

Zusammenfassung

✓ Auch Deutschland besetzte andere Länder, um diese auszubeuten.
✓ Die einheimischen Menschen wurden systematisch unterdrückt und ihrer Lebensgrundlage entzogen.
✓ Auf den Widerstand der einheimischen Menschen folgte der deutsche Vernichtungsbefehl.
✓ Deutschland war um 1900 die drittgrößte europäische Kolonialmacht.

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Weiterführende Literatur:

19. - 20. Jahrhundert - Die Rassenlehre. Empfehlung
[1] ZeitKlicks - Wo liegt der Platz an der Sonne eigentlich?
[2] Bundeszentrale für politische Bildung: Herero-Aufstand in Deutsch-Südwestafrika
[3] Wikipedia: Völkermord an den Herero und Nama. Ein guter, einführender Artikel.
Jared Diamond (2006): Arm und Reich: Die Schicksale menschlicher Gesellschaften. Ein hervorragendes Buch, welches die klimatischen und geographischen Besonderheiten der verschiedenen Erdteile in der Entwicklung von Gesellschaften betont.