Das So-Fo-R-T Prinzip.

Vom der Verantwortung zu Handeln.


So Fo R T

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Solidarisieren

Bedenken Sie: Jede Person, die bei rassistischen Vorfällen schweigt, akzeptiert das Geschehene. Daraus zu schließen, dass wir immer lautstark einschreiten müssen, wird den vielfältigen Situationen jedoch auch nicht gerecht. Manchmal scheint es kaum möglich, die eigene Stimme zu erheben und Grundsätzliches zu besprechen – gerade dann, wenn das Gegenüber kaum gesprächsbereit scheint. Das Gute ist: Unser erstes Ziel muss es gar nicht sein, das Gegenüber zu überzeugen. Seien Sie bei den Betroffenen - kommt es zu rassistischen Äußerungen oder Handlungen, kann es von unschätzbarem Wert sein, sich nicht alleingelassen zu fühlen. Solidarität muss hierbei noch nicht einmal themenbezogen sein, sondern kann bewusst hiervon wegführen. Nähern Sie sich der betroffenen Person, wünschen Sie einen schönen Tag und beginnen Sie ein Gespräch. Hiermit beziehen Sie ganz eindeutig Stellung, ohne es auf eine Konfrontation ankommen zu lassen. Sie signalisieren dabei Solidarität mit der betroffenen Person und erschweren es dem Gegenüber, mit dem rassistischen Verhalten fortzufahren. Denn: Nun steht plötzlich nicht mehr eine einzelne Person gegenüber, sondern hier hat sich eine Gruppe formiert. Sollten Sie selbst von Rassismus betroffen sein, kann das gezielte Ansprechen von Umstehenden ebenfalls die Situation "entschärfen". Vor allem bedeutet dieses nun auch: Schutz.

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Fokussieren

Wenn Sie es können und es die Situation zulässt – benennen Sie Rassismus! Dabei kann es sein, dass das Gegenüber empört diesen Vorwurf zurückweist . Wie veranschaulicht, lehnen es die meisten Menschen ab, sich selbst als Rassist*innen zu bezeichnen. Denken Sie daran: Die aktuelle Rassismusdefinition hat sich schon lange von der Verengung auf die Rassenlehre des 19. und 20. Jahrhunderts gelöst und definiert dieses nun entlang von Differenz, Wertung und Verallgemeinerung. Wenn Sie Argumente parat haben, um Rassismus zu entkräften - gut! Wenn die Situation Sie jedoch überwältigt, auch nicht schlimm – wenn die Situation es zulässt, zeigen Sie klare Kante und bitten Sie entschieden darum, das ausgrenzende Verhalten zu beenden. Wenn Sie die Zeit und Energie haben, können Sie dieses ausdiskutieren, aber auch der Hinweis, dass solche Äußerungen nicht willkommen sind, kann genügen. Schließlich geht es darum, eine Grenzüberschreitung zurückzuweisen und diese nicht einfach geschehen zu lassen.

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R-kenntnis

Wir haben gesehen, dass sowohl der historische Abriss als auch die aktuelle Definition des Rassismus aufzeigen, dass Rassismus jedoch in den verschiedensten historischen Formen auftritt. Diese Rassismus-Kenntnis, hier abgekürzt als R-Kenntnis, ist das Wissen und der sensible Umgang mit gesellschaftlichen Machtstrukturen und rassistischen Ausschlusserfahrungen – und diese zeichnet Sie aus! Dieses ist ihr Wissens- und Erfahrungsvorsprung. Privilegierte Menschen mögen abweisend, abstreitend und wütend (siehe Weiße Zerbrechlichkeit) auf den Hinweis reagieren, das eine Denk- oder Handlungsstruktur rassistisch ist, und dennoch erkennen Sie hier etwas und teilen dieses als eigenes Empfinden mit. Dieses ist R-Kenntnis im Sinne von Erkenntnis. Manchmal ist es gut, dieses im Hinterkopf zu behalten: Das Ziel kann es sein, diese Denk- und Machtstrukturen gemeinsam mit dem Gegenüber zu benennen. Statt das Gegenüber zu verurteilen, kann der einfache Hinweis auf ein unfaires Handeln oder Denken hilfreich sein – und noch besser, wenn wir dieses veranschaulichen können. Wir beurteilen somit das Gegenüber nicht in seiner Gesamtheit, unterstellen keine „rassistische Persönlichkeit“ oder charakterisieren diesen als ‚böse‘ und ‚hinterhältig‘, sondern weisen auf teilweise unbewusste Denk- und Handlungsstrukturen hin, die andere Menschen verletzen und ausschließen können. Hier können wir gemeinsam ansetzen und Rassismus in seinen Wirkungsweisen benennen und erkennen.

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Teilhabe

Wer bestimmt, ob etwas rassistisch ist?
Stellen Sie sich vor, jemand beschimpft Sie mit dem Wort „Dummkopf“ und Sie empfinden dieses als beleidigend. Es wäre bizarr, wenn wir nun das Empfinden des Angreifenden heranziehen um festzustellen, ob „Dummkopf“ eine Beleidigung darstellt. Um zu ermessen, ob es eine Beleidigung war, müssten wir Sie als Empfänger*in befragen. Eine Verkehrung der Beweisführung, also eine alleinige Nachfrage bei der angreifenden Person, entzieht Ihnen die Grundlage, ihre Empfindungen zu formulieren und diese mitzuteilen. Auch das deutsche Recht entkräftet die Deutungshoheit der Angreifenden: So ist im Gesetz der Straftatbestand der Beleidigung verankert; dieses kann mit Geld- und Freiheitsstrafen sanktioniert werden[1]. Somit reicht es nicht aus, ob eine Aussage ggf. „nicht so gemeint“ war oder „ein Witz“ war – denn: Maßgebend sind hier Gesetz und Empfinden der angegriffenen Person. Moralisch fällt es uns schwer zu begründen, warum wir beleidigende Sprache weiternutzen sollten, wenn wir auf seinen beleidigenden Gehalt aufmerksam gemacht werden. Deswegen: Zuhören!

Weiterführende Literatur:

[1] Anwalt.org: Beleidigung - Straftat nach Paragraph 185 StGB
Kapitel: Was tun bei Rassimus in der Schule? Handeln.
Kapitel: Was tun bei Rassimus in der Kita? Handeln.