Sprache verfestigt und stabilisiert unsere Denk- und Handlungsstrukturen. Wichtig ist daher, die eigene Sprache zu reflektieren und auf unbedacht übernommene Sprachformen hin „abzuklopfen“.

Bedachte Sprache.

Vom Bedeutungshorizont des Wortes.

Wie wir mit unseren Mitmenschen sprechen, ist nicht egal. Denn: Sprache verfestigt und stabilisiert unsere Denk- und Handlungsstrukturen. Wichtig ist daher, die eigene Sprache zu reflektieren und auf unbedacht übernommene Sprachformen hin „abzuklopfen“.

Hierbei unterstützt eine Kenntnis um Begriffe. So können wir z.B. Rassismus erst dann benennen, wenn wir ihn erkennen.

Political Correctness?

Und wenn doch alles gar nicht so gemeint ist? Nun, bedenken Sie: Der Rassismus steckt in der Bedeutung des Wortes, nicht in der Intention der sprechenden Person. Stellen Sie sich beispielhaft vor, jemand beschimpft Sie mit dem Wort „Dummkopf“ und Sie empfinden dieses als beleidigend. Es wäre bizarr, wenn wir nun das Empfinden des Angreifenden heranziehen um festzustellen, ob „Dummkopf“ tatsächlich eine Beleidigung darstellt. Um zu ermessen, ob es eine Beleidigung war, müssten wir Sie als Empfänger*in befragen. Auch das deutsche Recht entkräftet die Deutungshoheit der Angreifenden: So ist im Gesetz der Straftatbestand der Beleidigung verankert; dieses kann mit Geld- und Freiheitsstrafen sanktioniert werden. Somit reicht es nicht aus, ob eine Aussage ggf. „nicht so gemeint“ war oder „ein Witz“ war – denn: Maßgebend sind hier der Bedeutungshorizont des Wortes und das Empfinden der angegriffenen Person. Sprache ist historisch gewachsen, und so der Rassismus mit ihr. Worte stehen somit immer in einem geschichtlichen Kontext, der dem einzelnen Wort seine Bedeutung verleiht. Moralisch fällt es uns schwer zu begründen, warum wir beleidigende Sprache weiternutzen sollten, wenn wir auf seinen beleidigenden Gehalt aufmerksam gemacht werden. Deswegen: Zuhören!

Aber was ist, wenn wir rassistische Worte zwar verwenden, uns aber ihrer Bedeutung und Tragweite nicht bewusst sind? Ganz einfach: Sobald wir um den verletzenden Gehalt von Worten Kenntnis gewinnen, haben wir die Möglichkeit, darauf zu reagieren und uns passendere Worte auszusuchen. Das ist nicht immer leicht, kann sich aber lohnen – schließlich erschaffen wir somit ein freundlicheres, dem Menschen zugewandtes Miteinander, welches nicht von rassistischen Denk- und Handlungsstrukturen geprägt ist.

Hin zur zwischenmenschlichen Sensibilität

Ist das nicht alles nur political correctness, also politische Korrektheit? Nun – was ist mit diesem Vorwurf eigentlich gemeint? Zum einen unterstellt der Begriff der political correctness Lebensferne und Abgehobenheit und verdächtigt das Gegenüber zudem einem unverhältnismäßigen Interesse an sprachlicher Kontrolle. Aber was ist hier unverhältnismäßig – oder: Was ist das Verhältnis? Politisch korrekte Sprache, so suggeriert der Begriff, bezieht sich auf eine Korrektheitserwartung, also auf ein (politisch) vorgegebenes Richtig oder Falsch. Wichtig ist jedoch, dass es an dieser Stelle genau darum nicht geht – vielmehr geht es um das Bestreben um eine Sprache, die möglichst wenige rassistische Denk- und Handlungsstrukturen vorgibt. Das Maß ist somit vor allem die Sensibilität und ein zuhörendes Bemühen um das Gegenüber – nicht jedoch eine vermeintliche Korrektheitserwartung von außen.

Ersetzen wir die vermeintliche Korrektheit durch Sensibilität, so verschiebt sich gleichzeitig der Fokus: Nun geht es nicht mehr um eine äußere Erwartungshaltung, sondern um die eigene Offenheit, dem Gegenüber zuzuhören, andere Positionen ernst zu nehmen und darauf sensibel zu reagieren. Wir messen uns somit nicht mehr an erdrückenden sozialen Normen sondern befinden uns nun vielmehr im gemeinschaftlichen Gespräch mit unseren Mitmenschen.

Dieser bedachten Sprache steht nicht mehr das Falsche, Unkorrekte, sondern allein die unbedachte Sprache entgegen. Dieses beinhaltet somit kein Werturteil mehr, sondern stellt fest, dass es sich lohnt, aufgeschlossen die eigene Sprache zu bedenken und unseren Mitmenschen zuzuhören.

Zusammenfassung
✓ Sprache prägt unsere Denk- und Handlungsstrukturen.
✓ Worte sind historisch geprägt.
✓ Politische Korrektheit können wir durch zwischenmenschliche Sensibilität ersetzen.
✓ Die bedachte Sprache lädt zur gemeinsamen Reflexion ein.

Weiterführende Literatur:

Test: Denke ich rassistisch..?! Empfehlung
Der Glossar der Neuen Deutschen Medienmacher bietet Anregungen, Alternativbegriffe und Empfehlungen Ein empfehlenswertes Nachschlagewerk!