Kolonialrassismus.

Wie Europa beginnt, in Farben zu denken.

So wie im historischen Abriss zum Rassismus veranschaulicht, verändert sich die Ausdrucksform von rassistischen Denk- und Handlungsformen im Verlauf der Zeit – und dennoch bleibt der ausschließende Gehalt in seiner Funktion bestehen. Immer zielt Rassismus auf eine Abgrenzung, Herabwertung und Verallgemeinerung ab.

Wie kommen wir auf die Idee, dass Haut- und Haarfarbe uns etwas über das Dazugehören erzählen könnten?

Die Maafa (17.-19. Jhd.)

Es ist die Maafa, also die Versklavung über 25 Millionen Menschen und deren Verschiffung aus Afrika nach Amerika, die einen fundamentalen Bruch im Rassismus darstellen. Während Die Rassismen vor der Maafa den einzelnen Menschen immer noch persönliche Moblilität zusprachen (so konnte z.B. zum Christentum konvertiert werden), verbindet sich in der Zeit der Maafa der Rassismus mit äußerlichen Merkmalen. Um die unvorstellbare Dimension der Grausamkeit in der Maafa mit dem europäischen christlichen Selbstverständnis in Einklang zu bringen, brauchte es neue Erklärungsmodelle.

Graphische Darstellung der Maafa (17.-19. Jhd.)

Graphische Darstellung der Maafa (17.-19. Jhd.)

Hierzu inthronisierte sich das christliche geprägte Europa als Trägerin der Zivilisation, Entwicklung und später der Aufklärung. Auf der anderen Seite stand Afrika als vermeintlich unzivilisiert, unterentwickelt und primitiv. Hierbei ist das Fremdbild eines, dass weit davon entfernt ist, das Gegenüber anzuerkennen und eine Begegnung „auf Augenhöhe“ anzustreben.

Graphische Darstellung: Kolonialrassismus

Kolonialrassismus

Ganz im Gegenteil, zielt die neugewonnene Einteilung auf eine Hierarchisierung in besser/schlechter ab. Dabei muss die Einteilung so weit gehen, dass es mit dem christlichen Selbstbild im Einklang steht, andere Menschen zu versklaven, zu verkaufen und im Zweifel zu töten.

Die psychologische Methodik ist dabei so brutal wie einfach: Entmenschlichung. Während noble Europäer*innen also im Guten die Welt missionieren und im Schlechten die Welt versklaven, sind die betroffenen Personen infantilisiert.

Es verstärkt sich nun scheinbar unaufhebbar die Verbindung zwischen Ursprung/Zugehörigkeit und Hautfarbe. In der europäischen Vorstellung kommt es der Phantasie, dass die Hautfarbe ein Indiz für die jeweilige Entwicklungsstufe sein könne. Die fatale Umdeutung bedeutet dabei gleichzeitig, dass die einzelne Person kaum mehr aus dieser Lesart herauskommt. Nun kann vermeintlich von „außen“ abgelesen werden, woher wir kommen, wohin wir gehören und wie entwickelt wir sind. Es ist genau dieser Kolonialrassismus, der in unserer europäischen Geschichte so wirkmächtig wird.

Nicht gut. Genauso wenig wie "Schwarzafrikaner*in". Warum? Weil es die Erkenntnis ausklammert, dass Schwarz und weiß soziale Konstruktionen sind und ursprünglich gerade nicht die Hautfarbe meinen. Schwarz und weiß sind Positionen der Benachteiligung und Privilegierung, die wir in unseren Gesellschaften aktiv erschaffen. Hierzu mehr im Kapitel → Schwarz/Weiß.

Ein zusätzliches Problem des Begriffs "Farbiger" ist zudem, dass es absurderweise Schwarzen Menschen die Eigenschaft der "Farbe" zuschreibt, dabei jedoch die weiße Position gänzlich unbenannt lässt.

Übrigens: Es ist der Kontext der Maafa, in dem das N-Wort verwendet wird. Dieses Schimpfwort umfasst in seiner Bedeutung die oben beschriebenen Eigenschaften und ist mitnichten "nur" ein Verweis auf den Melaningehalt der Haut. Auch das deutsche Strafrecht ist sich dessen bewusst und ahndet das N-Wort somit als Beleidigung.

Zusammenfassung

✓ Die Gräuel der Maafa bilden den Kontext für den Beginn des Kolonialrassismus
✓ Dem Selbstbild der zivilisierten Europäer*in steht das Fremdbild des Unzivilisierten gegenüber
✓ Rassismus vereint sich nun mit äußeren Merkmalen (Haut-, Haarfarbe)


Weiterführende Literatur:

Rassismus - eine aktuelle Definition. Empfehlung