Rassismus.

Verwandte Konzepte.

Um rassistische Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen, braucht es eine Kenntnis darum, was Rassismus ist. Gleichzeitig ist es nützlich darauf zu schauen, wie sich Rassismus von anderen Konzepten abgrenzt. In unserer Alltagssprache vereinen wir manche Dinge miteinander und verwenden Begriffe synonym zueinander, die es inhaltlich jedoch voneinander zu trennen gilt. Erst klare Begriffe ermöglichen das klare begreifen.

Rassismus wird in Deutschland manchmal mit der Rassenlehre gleichgesetzt, welche biologische Unterschiede zwischen verschiedenen Völkern annimmt. Dieses ist wissenschaftlich widerlegt. Diese historische Erscheinungsform von Rassismus ordnet sich ein in eine Vielzahl von möglichen Rassismen, die unsere Gesellschaften begleitet haben. Diese werden im historischen Abriss beleuchtet.

In der Rechtswissenschaft meint Diskriminierung eine Ungleichbehandlung, die ohne einen rechtfertigenden Grund erfolgt. Das Gegenteil davon, eine rechtlich gewollte, bevorzugte Behandlung wird hingegen Privilegierung genannt. Diskriminierung ist somit eine Form der rechtlich illegitimen Benachteiligung und der Gegenbegriff zum Privileg.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vermeidet gänzlich die Rede von Diskriminierung. Dieses nutzt stattdessen den Begriff der Benachteiligung. Dieses soll verdeutlichen, dass nicht jede unterschiedliche Behandlung, die einen Nachteil zur Folge hat, diskriminierend sein muss. Berücksichtigt wird hierbei, dass in sehr engen Grenzen unterschiedliche Behandlungen zulässig sind, so zum Beispiel in Bezug auf das Berufsleben, wenn die geforderte Eigenschaft (z. B. spezielle Fertigkeit) für die Ausübung der Tätigkeit wesentlich und fast unerlässlich ist.[1]

Manchmal wird der Begriff der Ausländerfeindlichkeit verwendet. Ausländer*innen sind per Definition Menschen, die keine deutsche, jedoch eine andere Staatsbürgerschaft besitzen. Hier zeigt sich, das dieser Begriff unscharf ist, denn kategorisiert die Ausländerfeindlichkeit Menschen oft nicht nach der Staatsangehörigkeit, sondern äußert sich vermehrt durch eine Gruppierung entlang äußerer und anderer Merkmale. Denken Sie hierbei z. B. an Loyalitätsfragen, die an manche Deutsche aufgrund einer Migrationsgeschichte an sie herangetragen werden: Diese Frage lässt sich nicht mit Bezug auf Ausländerfeindlichkeit erklären, da es sich bei den betroffenen Personen ja gerade um Inländer*innen handelt. Und dennoch stehen diese Menschen plötzlich unter Erklärungsdruck - gerade weil sie Deutsch und "anders" sind. Hierbei wird, entsprechend des Mechanismus des Rassismus, die Eigengruppe der Ausschliessenden aufgewertet und die Gegengruppe abgewertet.

Um den Ungenauigkeiten des Begriffes Ausländerfeindlichkeit Abhilfe zu schaffen, wird manchmal der Begriff der Fremdenfeindlichkeit verwendet. Statt der Staatsangehörigkeit steht nun – ja, was genau im Vordergrund? Fremdheit ist hier ja vor allem eine subjektive Erfahrung desjenigen, der fremdenfeindlich ist. Fremdheit wird empfunden und kann kaum objektiv festgestellt werden. Daher stößt auch dieser Begriff an seine Grenzen.


Zudem gilt: Gerade eine moderne Migrationsgesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass wir uns in stetiger Transformation befinden. Prägend sind hier Integrationsprozesse, die eine gegenseitige Annäherung, den Austausch und Neuaushandlungen umfassen. Fremdheit als fundamentales Unterscheidungsmerkmal ist hierbei ein Konzept, das kaum auf die Lebensumstände einer Migrations- und Integrationsgesellschaft passen möchte.

Der Begriff der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit baut auf der Beobachtung auf, dass Rassismus oft mit weiteren, anderen Vorurteilen gepaart wird. Menschen, die sich rassistisch äußern, haben tendentiell auch negative Einstellungen gegenüber homosexuellen Menschen und teilen ein sexistisches Weltbild. Warum verbinden sich hier so viele negative Denkmuster?

Alle diese negativen Einstellungen entspringen, so die Überlegung, dem gleichen psychologischen Mechanismus: Der sogenannten Ideologie der Ungleichwertigkeit. Dieses bedeutet, dass Menschen in Gruppen geordnet werden und dabei unterschiedlich bewertet werden – die anderen sind schlechter, wir sind besser. Alle Kriterien der aktuellen Rassismusdefinition (Differenz, Wertung, Verallgemeinerung) treffen hier zu.

Bemerkenswert ist hierbei, dass der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit eigentlich ihre Zielgruppe egal ist – Hauptsache, wir stehen am Ende oben. Die Unwertigkeit wird dabei gleich mehreren Gruppen unterstellt. Dieses wird daher Heterophobie genannt, - die Angst vor den anderen. Der Kern ist hierbei der psychologische Kniff, sich selbst weiter oben einzuordnen.

Auch hier stellt sich die Frage: Warum konstruieren Menschen ein solch negativ geprägtes Weltbild? Weil es für sie von Vorteil ist. Geht es uns selbst nicht so gut, können wir dieses durch diesen psychologischen Mechanismus zumindest emotional beheben. Nun sind wir wieder wer! Und dazu auch noch besser als die anderen.